Friedrich Hohendahl

Friedrich Hohendahl

Geboren am 07.01.1847 in Mülheim/Ruhr

Gestorben am 20.10.1906 in Unbekannt

Beruf: Bergwerksdirektor

 
 

Friedhof: Friedhof Bredeney

Geo-Koordinaten der Grabstelle: 
(in Dezimalgrad)

51.408123, 6.978516

Bearbeiter: SCHM

Vita

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Friedrich Wilhelm Hohendahl wurde am 16. Februar 1847 in Bocholt, Bürgermeisterei Borbeck (heute Essen-Bochold) geboren und dort am 07. März 1847 evangelisch getauft.[1] Seine Eltern waren der Steiger Hermann Hohendahl, geboren am 06. März.1820 in Mellinghofen (Mülheim an der Ruhr), und dessen Ehefrau Anna, geb. Kirchland, geboren am 21. November 1820 ebenfalls in Mülheim an der Ruhr.[2] Der Vater Hermann Hohendahl verunglückte tödlich am 07. April 1850 in Essen-Bochold „morgens um ¼ vor 6 Uhr in der Grube durch böse Wetter“[3]. Einen Monat zuvor war er dreißig Jahre alt geworden. Er hinterließ seine Gattin Anna und vier minderjährige Kinder: Heinrich, Helene, Friedrich und Anna.[4] Das Kind Friedrich war zu der Zeit drei Jahre alt. Die Mutter Anna starb am 13. August 1907 in Wanne.[5]

Das Kind Friedrich, mit vollem Namen Friedrich Wilhelm Hohendahl, wurde wie sein Vater Bergmann. Friedrich Wilhelm Hohendahl Obersteiger, dann Grubenverwalter und später Bergwerksdirektor der Steinkohlenzeche „Unser Fritz“ bei Wanne.[6] Friedrich Wilhelm Hohendahl heiratete am 17. Dezember 1874 in Herne Emilie Charlotte Melcher, geb. am 28. Mai 1850 in Friemersheim (Duisburg). Das Ehepaar hatte zwei Kinder:[7]

Friedrich (Fritz) Karl Gerhard

Am 09. Januar 1878 kam in Bickern, Amt Herne, der Sohn Friedrich (Fritz) Karl Gerhard zur Welt, der nach dem Abitur zum Studium an die königlich preußische Bergakademie in Berlin ging. Als Bergassessor trat er am 01. März.1908 in den Dienst der Gräflich Ballestremschen Güterdirektion in Ruda, Kreis Zabrze, in Oberschlesien und wurde dort 1910 Bergwerksdirektor. Er heiratete am 08. März 1910 Käthe Schimmelpfennig aus der Balenthiner Mühle, Kreis Schlawe, in Pommern. Am 01. Juli 1913 wurde er Bergwerksdirektor der Zeche „Unser Fritz“ bei Wanne und folgte damit den Fußstapfen seines wenige Jahre zuvor verstorbenen Vaters. Auf Grund des Mobilmachungsbefehls des deutschen Kaisers Wilhelm II. wurde Friedrich Karl Gerhard Hohendahl am 05. August.1914 als Leutnant in das deutsche Heer einberufen und nahm am Frankreich-Feldzug teil. Die Reklamation der Gewerkschaft „Unser Fritz“ bewirkte am 04. November 1914 seine Entlassung aus dem Heer im Rang eines Hauptmanns. Mit Übergang von „Unser Fritz“ auf die Mannesmannröhren-Werke Düsseldorf (Beschluss der Gewerkenversammlung vom 25. April 1918 [8]) wurde er bei diesem Unternehmen 1918 stellvertretendes Vorstandsmitglied und im November 1921 ordentliches Vorstandsmitglied. Ende 1935 schied er bei Mannesmann aus und verbrachte seinen Ruhestand in Essen-Heisingen.[9+10] – Friedrich Karl Gerhard Hohendahl verstarb am 12. Juli 1946 in Gelsenkirchen.

Martha

Am 20. Oktober 1880 wurde die Tochter Martha geboren, die am 02. April 1900 Paul Wasse, Bürgermeister in Heißen, Kreis Mülheim an der Ruhr, heiratete. Die Ehe wurde am 19. Januar 1912 geschieden. Am 30. August 1916 heiratete Martha Dr. Alfred Fürstenberg, der 1927/28 verstarb und in Dresden beerdigt wurde.Martha verstarb am 08. September 1954 in Garmisch.[11]

Emilie Charlotte Hohendahl geb. Melcher, die Gattin von Friedrich Wilhelm Hohendahl, verstarb am 25. März 1930 in Dresden.[12] Friedrich Wilhelm Hohendahl verstarb nach schwerer Krankheit im 59. Lebensjahr am 26. Oktober 1906 in Düsseldorf.[13] In der „Mülheimer Zeitung“ vom 30. Oktober 1906 stand eine Todesanzeige der Familie Hohendahl.[14] Das Grabmal mit der Gestaltung von Wilhelm Lehmbruck[15] würdigt die Lebensleistung von Friedrich Wilhelm Hohendahl, insbesondere mit Bezug auf den Bergbau. Die Verbindung zu dem damals aufstrebenden jungen Lehmbruck könnte durch Kontakte der Tochter Martha zur Künstlerszene in Düsseldorf zustande gekommen sein.[16]

Grabstelle Friedrich HohendahlDas Grabmal wurde 1957 vom Nordfriedhof Düsseldorf auf den Städtischen Friedhof Bredeney in Essen umgesetzt und 2002 zum Baudenkmal erklärt.[17] Das Grabmal ist eine Stele mit Marmorrelief und Dreiecksgiebel. Im Giebelfeld Schlägel und Eisen, das Symbol des Bergbaus. Das Marmorrelief zeigt rechts im Vordergrund einen sitzenden Bergmann „mit nacktem Oberkörper, nur mit Arbeitshose, -schuhen und Lederhelm bekleidet“[18] in sinnender Pose, die linke Hand erfasst die neben sich abgestellte Grubenlampe, der rechte Arm ist auf den rechten Oberschenkel gestützt, die rechte Hand umfasst das Kinn. Der Bergmann schaut auf eine etwas unterhalb liegende Schachtanlage im linken Bildteil mit Förderturm, Aufbereitung mit Förderwagen und Schornstein[19]. Eine Darstellung der wesentlichen Merkmale des Denkmals und Fotos befinden sich auf der Denkmalliste der Stadt Essen.[20]

Weitere Mitglieder der Familie Hohendahl

Es gibt in Essen im Stadtteil Altenessen-Nord seit dem 09. Juli 1915 eine Hohendahlstraße. Diese Straße ist einem Friedrich Wilhelm Hohendahl gewidmet, der am 22. Februar 1822 in Heißen, Kreis Mülheim an der Ruhr, geboren und am 06. Februar 1900 in Bad Godesberg gestorben ist. Er war Obersteiger und technischer Leiter, später Direktor der Gewerkschaft Neuessen in Altenessen, in deren Dienst er von 1855–1899 stand.[21] Dieser Mann ist ein Bruder von Hermann Hohendahl, dem Vater von Friedrich Wilhelm Hohendahl, der am 07. April 1850 bei einem Grubenunglück sein Leben verlor. Der tödlich verunglückte Hermann Hohendahl hatte noch einen weiteren Bruder, nämlich Heinrich Hohendahl, auch er war Bergmann und seine Ehefrau war Taufpatin des am 07. März 1847 in Essen getauften Kindes Friedrich Wilhelm. Man kann vermuten, dass die beiden Onkel das Kind beruflich stark gefördert haben, denn beide Onkel waren im Bergbau tätig und die beruflichen Laufbahnen der beiden Hohendahls, die Friedrich Wilhelm hießen und Onkel und Neffe waren, sind identisch. Beide haben sich in der Hierarchie ihres Bergmannsberufes aus den Anfängen hochgearbeitet, beide haben es auf ihrer Zeche bis in die oberste Leitungsfunktion gebracht – die Hohendahls, eine Familie, die sich in den Zeiten rasch fortschreitender Industrialisierung über mehrere Generationen dem Ruhrbergbau verschrieben hat.[22]

Die Steinkohlenzeche „Unser Fritz“:

Die Zeche „Unser Fritz“ im Wanner Norden war eine Gründung des Kaufmanns und Bergwerksdirektors Friedrich Grillo (Essen), des Bankiers Ludwig von Born (Essen), des Unternehmers Wilhelm Hagedorn (Essen) und des Bauunternehmers Friedrich Funke (Essen) am 18. September 1871:[23] „Das Bergrevier lag unter den Gemeinden Gelsenkirchen, Wanne und Herten und hatte eine Größe von 4,9 km2. Unter mächtigen Fließsand- und Mergelschichten lag das Steinkohlengebirge in einer Tiefe von 215 bis 230 Metern.“[24] Die größten Schwierigkeiten beim Abteufen des Schachtes I bereiteten die 8 m starke Fließschicht und die starke Wasserführung des Kreidemergels.[25] Am 15. März 1873 konnte bei 215 Metern das Steinkohlengebirge erreicht werden;[26] „(d)ie abbauwürdigen Flöze bestanden aus Gasflamm-, Gas- und Fettkohle.“[27]  Im Laufe der nächsten Jahre wurden noch weitere vier Schächte abgeteuft, die erst im ausgehenden 20. Jahrhundert nach und nach stillgelegt wurden.[28+29] Durch das preußische Wasserstraßengesetz vom 01. April 1905[30]  kam es zum Bau des Rhein-Herne-Kanals von Dortmund nach Duisburg. Ein eigener Hafen erleichterte und verbilligte für ‚Unser Fritz’ den Absatz vereinfachte und verbilligte.[31]

Wer mit dem Namen „Unser Fritz“ geehrt wird, darüber scheiden sich die Geister. Die einen sagen, es sei eine volkstümliche Referenz an den Gründer Friedrich Grillo[32], die anderen meinen, dass damit der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm geehrt werden sollte, „der wegen seiner liberalen Haltung beim Volk beliebt war und 1888 für 99 Tage als Kaiser Friedrich III. regierte“[33].

Fußnoten

[1] Lt. Taufurkunde der ev. Kirchengemeinde Essen-Altstadt, Essen.
[2] Lt. Ahnenliste Hohendahl aus Familienbesitz.
[3] Ebenda.
[4] Ebenda.
[5] Ebenda.
[6] Ebenda.
[7] Ebenda.
[8] Veröffentlichung der Mannesmannröhren-Werke, Düsseldorf: 50 Jahre „Unser Fritz“, 1871–1921, Geschichte der Abteilung „Unser Fritz“, S. 14.
[9] Lt. Ahnenliste Hohendahl aus Familienbesitz.
[10] Serlo, Walter: Die Preußischen Bergassessoren. Essen 1938, S. 253, lfd. Nr. 803 (berufliche Entwicklung von Bergassessor Friedrich (Fritz) Karl Gerhard Hohendahl).
[11] Lt. Ahnenliste Hohendahl aus Familienbesitz.
[12] Ebenda.
[13] Kopie der Sterbeurkunde Nr. 2820 der Stadt Düsseldorf von Friedrich Wilhelm Hohendahl vom 27.10.1906 wegen der Anzeige seines am 26.10.1906 eingetretenen Todes.
[14] Todesanzeige der Familie Hohendahl vom 27.10.1906 in Mülheimer Zeitung vom 30.10.1906.
[15] Lebensbeschreibung des Bildhauers Wilhelm Lehmbruck (1881–1919) aus Duisburg-Meiderich von Katharina B. Lepper: http://www.duisburg.de/micro2/lehmbruck/sammlung/lehmbruck/biografie_lehmbruck.php
[16] Bericht der Urenkelin Heide Hohendahl, München.
[17] Zur Denkmalliste Stadt Essen gibt es über Wikipedia folgenden Link: http://gdi.essen.de/webdaten/sta61/Denkmaeler/Foto_Htm_und_pdf/AK1_Lfd_Nr_921.pdf
[18] Pasche, Eva-M.: Der Bergbau im Frühwerk des Bildhauers Wilhelm Lehmbruck. In: DER ANSCHNITT, Zeitschrift für Kunst und Kultur im Bergbau, Heft 1/2003, S. 44.
[19] Vgl. ebenda S. 43.
[20] http://gdi.essen.de/webdaten/st61/Denkmaeler/Foto_Htm_und_pdf/AK1_Lfd_Nr.921.pdf
[21] Dickhoff, Erwin: Essener Straßen. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Essen 1979, S. 124.
[22] Schreiben Ev. Kirchenkreis An der Ruhr, Althofstraße 9, 45468 Mülheim an der Ruhr vom 07.09.2012.
[23] Vgl. Viehweger, Wolfgang: Spur der Kohle… Europa in Herne und Wanne-Eickel. Hrsg. Vom Bund Deutscher Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e.V. Herne 2000, S. 137.
[24] Ebenda, S. 137.
[25] Vgl. ebenda, S. 137f.
[26] Vgl. ebenda, S. 138.
[27] Ebenda, S. 137.
[28] Huske, Joachim: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier, Daten und Fakten von den Anfängen bis 1997. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Bochum 1998, S. 968f.
[29] http://de.wikipedia.org/wiki/Zeche_Unser_Fritz [25.03.2012]
[30] Hermann, Alexander: Zum Bau des Rhein-Herne-Kanals. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, herausgegeben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Berlin, 27. April 1912, XXXII. Jahrgang, Nr. 35, S. 217.
[31] Vgl. Viehweger, Spur der Kohl, S. 138.
[32] Ebenda, S. 137.
[33] http://www.sagenhaftes-ruhrgebiet.de/Zeche_Unser_Fritz [25.03.2012]

Abbildungen

Grabbild

  • Marcel Maric

Literatur

  • Absolon, Rudolf: Die Wehrmacht im Dritten Reich, Band I. 30. Januar 1933 bis 2. August 1934. Mit einem Rückblick auf das Militärwesen in Preußen, im Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Schriften des Bundesarchivs. Boppard am Rhein 1969.
  • Budde/Clarke/Will: Kanäle und Schifffahrt. Informationen zur Route der Industriekultur. Hrsg. Vom Regionalverband Ruhr. 2. Auflage, Essen 2008.
  • Dickhoff, Erwin: Essener Straßen. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Essen 1979.
  • Huske, Joachim: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier, Daten und Fakten von den Anfängen bis 1997, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Bochum 1998.
  • Serlo, Walter: Die Preußischen Bergassessoren. Essen 1938.
  • Spethmann, Hans: Wie unser Ruhrgebiet wurde. Vergangenheit und Gegenwart. Länder Menschen Wirtschaft. Berlin 1936.
  • Viehweger, Wolfgang: Spur der Kohle … Europa in Herne und Wanne-Eickel. Hrsg. vom Bund Deutscher Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e.V. Herne 2000.
  • Hermann, Alexander: Zum Bau des Rhein-Herne-Kanals. In: Zentralblatt der Bauverwaltung. Herausgegeben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten. Berlin 27. April 1912, XXXII. Jahrgang, Nr. 35, S. 217–220.
  • Pasche, Eva-M.: Der Bergbau im Frühwerk des Bildhauers Wilhelm Lehmbruck. In: DER ANSCHNITT, Zeitschrift für Kunst und Kultur im Bergbau, Heft 1/2003, S. 43–47.
  • Strähler, Walter: Die Westdeutschen Kanäle. In: Eckoldt, Martin (Hrsg.): Flüsse und Kanäle. Die Geschichte der deutschen Wasserstraßen. Hamburg 1998, S. 370–375.
  • Veröffentlichung der Mannesmannröhren-Werke, Düsseldorf, 50 Jahre „Unser Fritz“, Geschichte der Abteilung „Unser Fritz“, 1871–1921.
  • Kopie der Taufurkunde Friedrich Wilhelm Hohendahl der ev. Kirchengemeinde Essen-Altstadt, Essen.
  • Kopie der Sterbeurkunde Nr. 2820 der Stadt Düsseldorf von Friedrich Wilhelm Hohendahl.
  • Ahnenliste Hohendahl aus Familienbesitz.
  • Schreiben Ev. Kirchenkreis An der Ruhr, Althofstraße 9, 45468 Mülheim an der Ruhr, vom 07.09.2012
  • Todesanzeige der Familie Hohendahl v. 27.10.1906 in „Mülheimer Zeitung“ v. 30.10.1906.

Internetquellen