Familie (von) Waldthausen

Die Familie Waldthausen war eine renommierte Industriellenfamilie, die auf die Entwicklung des Wirtschaftslebens im Ruhrgebiet einen großen Einfluss hatte. Die Geschäfte hatten nach diversen Wechseln der Branche ihren Schwerpunkt in der Textilwirtschaft und erweiterten sich im Bankwesen.

Justus und Wilhelm Waldthausen gründeten das erste Wollhandelshaus und setzen damit den Grundstein des späteren Erfolges.

 

Heute finden sich vielfältige Spuren der Familie Waldthausen in Essen. In der westlichen Innenstadt befindet sich u.a. der Waldthausenpark, wo ehemals die Waldthausenvilla stand. Die Waldhausenvilla an der Hohenzuollernstraße war lange Zeit Sitz des Gesellschaft Vereins in Essen.

Zwei Stiftungen in Essen führen heute noch den Namen weiter:

    Eugen-und-Agnes-von-Waldthausen-Platzhoff-Museums-Stiftung (Stiftungsziel: Förderung des Kunstsinns)
    Julius-von-Waldthausen-Stiftung (Stiftungsziel: Förderung von medizinischen Hilfsberufen)

 

Martin Wilhelm Waldthausen

Grabstelle Martin Wilhelm WaldthausenMartin Wilhelm Waldthausen wurde am 11. November 1795 als Sohn des Wollkaufmannes und Senators Johann Wilhelm Gottfried Waldthausen (1765-1844) und dessen Cousine und Ehefrau Christina Elisabeth Waldthausen (1766-1835) in Essen geboren. Er machte seine Ausbildung im väterlichen Unternehmen. Mit 27 Jahren heiratete er die 20-jährige Johanna Katharina von Halfern (1802-1889) in Mülheim an der Ruhr.

Zusammen mit seinem Großcousin Johann Conrad Christian Waldthausen wandelte Martin Wilhelm das Familien-Wollhandelshaus 1820 in die „Wollhandlung Wilhelm und Conrad Waldthausen“ um. Er unternahm viele internationale Geschäftsreisen, unter anderem nach Schlesien, Ostpreußen und Polen. Sein Interesse galt desweiteren kommunalen Belangen, weswegen er sich dafür einsetzte, dass der Bahnhof der Bergisch-Märkischen Eisenbahn (heutiger Hauptbahnhof in Essen) am Kettwiger Tor errichtet wurde. Martin Wilhelm Waldthausen war Mitglied des Stadtrats, Ratsherr der Stadt Essen und Magistratsmitglied von 1826 bis 1854. Außerdem hatte er den Vorsitz im Knappschaftsverein.

Johann Conrad Christian Waldthausens Söhne Julius Wilhelm (1809-1873) und Gustav Ernst (1811-1883) übernahmen 1842 die Geschäftsführung der Wollhandlung, da erst 1834, zwölf Jahre nach Martin Wilhelms Eheschließung, sein einziger Sohn Friedrich Albert von Waldthausen zur Welt kam. Martin Wilhelm Waldthausen starb am 2. Oktober 1870 und fand seine letzte Ruhestätte in Essen Bredeney.

Gustav Ernst von Waldthausen

Johann Conrads zweiter Sohn Gustav Ernst von Waldthausen wurde am 20. Mai 1811 in Essen geboren. Seine Mutter Maria Henrica Wilhelmina Waldthausen (geb. von Halfern, 1782-1814) starb nur drei Jahre nach seiner Geburt. Gustav Ernst stieg nach seiner Schul- und Berufsausbildung 1836 in das väterliche Unternehmen ein. Im selben Jahr heiratete Gustav Ernst seine Cousine Amalia Henriette Waldthausen (1817-1839). Die Ehe wird kinderlos geschieden.

1842 übernahmen Gustav Ernst und sein zwei Jahre älterer Bruder Julius die Geschäftsführung des Familienunternehmens und erweiterten die Geschäftsbeziehungen im Westen über Frankreich bis nach Großbritannien und im Osten bis nach Russland. Früh erkannte Gustav Ernst von Waldthausen das Potenzial der Kohle- und Stahlindustrie und unterstütze dessen Ausbau und den Ausbau der notwendigen Transportwege finanziell.

1844 ging er erneut, diesmal mit seiner Cousine Helena Sophia Christina Waldthausen (1825-1902) die Ehe ein, aus welcher die Tochter Helena (1849-1902) und der Sohn Oscar (1854-1906) hervorgingen.

Bereits 1845 zählte Gustav Ernst zu den reichsten Unternehmern in Essen. 1848 ernannte man ihn als Nachfolger von Theodor Sölling zum Präsidenten der Essener Handelskammer, 1877 wurde er Stadtverordneter der Stadt Essen. Beide Ämter hatter er bis zu seinem Tod inne. Ab 1873 war Gustav Ernst, aufgrund des Todes seines Bruders, Alleininhaber des Unternehmens. Den Ehrentitel „Königlicher Kommerzienrat“ erhielt er am 18. Oktober 1861 in Anerkennung seiner Verdienste. Gustav Ernst von Waldthausen starb am 22. Januar 1883 in Essen und wurde ebenfalls auf dem Friedhof am Kettwiger Tor beigesetzt.

Friedrich Albert von Waldthausen

Grabstelle Friedrich Albert von WaldthausenDer Sohn von Martin Wilhelm Waldthausen, Friedrich Albert von Waldthausen, wurde am 24. Mai 1834 geboren. Nach dem Schulabschluss absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung in Düsseldorf, Viersen und Krefeld und gründete daraufhin 1859 ein Bankgeschäft in Essen. Friedrich Albert war Vorsitzender vieler Bergwerksunternehmen und handelte in seinem Bankgeschäft mit deren Anteilen.

Am 18. November 1874 heiratete er Maria Luisa Julia Henriette Bährens (1835-1918) in St. Goarshausen, die im folgenden Jahr Sohn Martin Wilhelm (1875-1928) zur Welt brachte.

Friedrich Albert von Waldthausen war außerdem Stadthistoriker. Im Jahr 1880 wirkte er bei der Gründung des Historischen Vereins für Stadt und Stift Essen e.V. mit, wo er einige Zeit als Schatzmeister tätig war. Er arbeitete sehr erfolgreich auf den Gebieten der Familien- und Stadtgeschichte und publizierte dazu zahlreiche Beiträge. Damit der nebenamtliche Stadtarchivar und Oberlehrer Dr. Konrad Ribbeck die „Geschichte der Stadt Essen" auf wissenschaftlicher Grundlage zu Papier bringen konnte, ließ er ihn für drei Jahre vom Schuldienst freistellen indem er 1906 einen Betrag von 30.000 Mark stiftete.

Am 12. Januar 1924 verstarb Friedrich Albert von Waldthausen in Essen. Er wurde neben seiner vorher verstorbenen Frau auf dem Friedhof in Bredeney beigesetzt.

Peter August Heinrich von Waldthausen

Peter August Heinrich von Waldthausen wurde am 26. Juli 1846 als Sohn des Kaufmannes Gottfried Heinrich Waldthausen (1821-1876) und dessen Frau Emma Augusta Waldthausen (geb. Walther, 1823-1897) in Essen geboren. Peter August Heinrich besuchte Gymnasien in Essen und Gütersloh und sammelte Sprachkenntnisse während längerer Aufenthalte in England und der Schweiz. Er begann eine kaufmännische Ausbildung in der Tuchfabrik der angeheirateten von Halfern in Aachen-Burtscheid und arbeitete anschließend als Wool-Broker in London.

Am 27. September 1870 heiratete Peter August Heinrich Helena Wilhelmina Honsberg (1852-1909) in Remscheid. Die Beiden bekamen einen Sohn, Heinrich Gottfried von Waldthausen (1875-1954).

Peter August Heinrich war unbesoldeter Beigeordneter, Ritter des Roten-Adler-Ordens, Provinziallandtagsabgeordneter, Vorsitzender zahlreicher Aufsichtsräte bzw. Vorstände und trug seit dem 31. Dezember 1901 den Ehrentitel "Königlicher Kommerzienrat". Er wurde Teilhaber und später Alleininhaber der traditionsreichen Wollfirma „Heinrich Waldthausen & Sohn" in Essen.

Am 15. Juni 1904 verstarb Peter August Heinrich von Waldthausen im Alter von 58 Jahren und liegt bis heute auf dem Friedhof in Bredeney begraben.

Eugen von Waldthausen

Eugen von Waldthausen wurde am 8. Mai 1855 als Sohn des Kaufmannes in Essen geboren. Er war Großcousin von Gustav Ernst von Waldthausen.

Grabstelle Eugen von WaldthausenIn seiner Jugend besuchte er die Realschule II. Ordnung, später Humboldtschule, bis zur Obersekundarreife im Jahre 1874; im Anschluss daran die Kaufmännische Hochschule in Lausanne und vollzog eine kaufmännische Ausbildung in Köln, Bremen, Le Havre und London. In Bremen war er bei einer seiner Familie gehörenden Baumwollimportfirma tätig. Seit 1892 leitete er als Teilhaber die von seinem Vater übernommene Indigo-Importfirma in Essen. Aufgrund technischer Entwicklungen im Farbbereich musste er diese jedoch aufgeben. Später betätigte er sich in der Industrie. Eugen von Waldthausen war Mitglied in zahlreichen Aufsichtsräten wie zum Beispiel der Rheinische Stahlwerke AG oder Westfälisch-Anhaltische Sprengstoff AG. Von 1892 bis 1919 betätigte er sich als Stadtverordneter. In dieser Zeit errichtete Eugen von Waldthausen mehrere Stiftungen für das Stadttheater, die Krankenanstalten und das Museum. Seit 1883 war Eugen von Waldthausen mit Agnes Platzhoff (1861-1927) verheiratet. Die Stiftungen zur Essener Kunstpflege wurden 1934 unter dem Namen „Eugen-und-Agnes-von-Waldthausen-Platzhoff-Museums-Stiftung“ zusammengefasst.

Am 29. Juli 1941 verstarb Eugen von Waldthausen und wurde an der Seite seiner Frau auf dem Bredeneyer Friedhof in Essen beigesetzt. Per Ratsbeschluss vom 12.12.2012 wurde sein Grab und seiner Frau zum Ehrengrab erklärt.

Julius Wilhelm Freiherr von Waldthausen

Julius Wilhelm Freiherr von Waldthausen wurde am 30. Juli 1858 als Sohn eines Kaufmanns und Gewerken in Essen geboren.

In seiner Jugend besuchte Julius Wilhelm von Waldthausen das Burggymnasium in Essen und schloss es im Jahre 1875 mit dem Abitur ab. Er begann das Studium der Rechtswissenschaften in Leipzig, Straßburg, Heidelberg und Göttingen. Dort promovierte er zum Dr. jur. und machte 1885 seinen Assessor im Auswärtigen Amt als Privatsekretär des Fürsten Herbert von Bismarck.

Julius Wilhelm Freiherr von Waldthausen heiratet Elinor Böcking. Aus ihrer Ehe ging der Sohn Helmut hervor.

Nach der Attachézeit diente er auf zahlreichen Posten im Ausland. In Madrid und Tokio war er im Legationsrat und in Russland Im Botschaftsrat tätig. Am 15. Oktober 1915 stellte Julius Wilhelm von Waldthausen einen Antrag auf Versetzung in den Ruhestand. Von diesem Zeitpunkt an lebte er auf einem 1910 erworbenen Gut in Bassenheim bei Koblenz. Im Jahr 1915 stiftete er dem Essener Zweigverein des Deutschen Roten Kreuzes die Einrichtung eines Lazarettzuges und bedachte die Stadt Essen mit Schenkungen.

Julius Wilhelm Freiherr von Waldthausen verstarb am 24. August 1935 während einer Studienreise auf Grönland. Er wurde auf dem Essener Friedhof in Bredeney bestattet.

Gottfried Wilhelm von Waldthausen

Grabstelle Gottfried Wilhelm von WaldthausenGottfried Wilhelm von Waldthausen wurde am 3. Januar 1873 als Sohn eines Kaufmannes und argentinischen Wahlkonsuls Rudolf von Waldthausen in Essen geboren.

Gottfried Wilhelm von Waldthausen besuchte in seiner Jugend das Burggymnasium in Essen und verließ es im Jahre 1892 mit dem Abitur. An den Universitäten Genf, Heidelberg und Berlin studierte er Rechtswissenschaften und Nationalökonomie. 1895 promovierte er zum Dr. jur. Im Anschluss an das Studium absolvierte er ein Jahr als Freiwilliger bei einem Dragoner-Regiment. Von 1902 bis 1904 war er in der Regierung von Stettin tätig. Anschließend wurde er aus dem Staatsdienst verabschiedet und trat in den Vorstand der Essener Credit-Anstalt ein. Gottfried Wilhelm von Waldthausen saß von 1922 bis zur Fusion der Bank mit der Deutschen Bank im Jahr 1925 als Vorsitzender im Aufsichtsrat. Darüber hinaus war Gottfried Wilhelm von Waldthausen in zahlreichen Aufsichtsräten und Vorständen deutscher Firmen tätig.

Während des Ersten Weltkrieges hatte er einen Posten des Rittmeisters der Landwehr-Kavallerie inne, im Anschluss daran war er Mitglied in den Militärverwaltungsstäben als Fachmann für Bank- und Wirtschaftsfragen. Von 1921 bis 1933 war Gottfried Wilhelm von Waldthausen Abgeordneter des Rheinischen Provinzlandtags und von 1913 bis 1919 Stadtverordneter der Stadt Essen.

Am 22. Februar 1946 starb Gottfried Wilhelm von Waldthausen und wurde auf dem Friedhof in Essen-Bredeney beigesetzt.

Fritz von Waldthausen

Fritz von Waldthausen wurde am 9. Mai 1887 als Sohn eines aus Essen stammenden Wollkaufmanns geboren.

Grabstelle Fritz von WaldthausenEr besuchte ein humanistisches Gymnasium und absolvierte eine Bankausbildung in Bremen. In Lausanne, Leipzig und München studierte er dann Volkswirtschaft und Jura. Im Anschluss an sein Studium promovierte er in Kiel zum Dr. oec. publ. und machte auch dort sein Referendarexamen.

Im Jahre 1921 zog Fritz von Waldthausen nach Essen und gründete mit seinem Vetter Dr. Ernst von Waldthausen (1893-1956) die Privatbank Waldthausen & Co. Dort war er als geschäftsführender und persönlich haftender Gesellschafter tätig. 1937 wurde er in den Aufsichtsrat der Rheinstahl AG gewählt. Dort vertrat er mit weiteren Familienmitgliedern den Waldthausenschen Besitz. Nach dem Kriegsende 1945 wurde Fritz von Waldthausen mit der Neuordnung von Rheinstahl-Arenberg betraut. Ab 1951 war er Mitglied des Aufsichtsrates der Arenberg-Bergbau GmbH. Mit dem Münchener Bankier August von Finck gründete er das Düsseldorfer Bankhaus Waldthausen & Co. Fritz von Waldthausen wurde am 27. Juni 1956 als Nachfolger seines tödlich verunglückten Vetters Dr. Ernst von Waldthausen zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Rheinischen Stahlwerke AG in Essen gewählt. Er war durch seine Tätigkeit als Bankier und Industrieller in vielen Aufsichtsräten und Vorständen vertreten.

Auch hat er sich auf kirchlich-sozialen Gebieten betätigt. Er war Mitglied des Kuratoriums der Huyssens-Stiftung, des Geschäftsführenden  Ausschusses der Evangelischen Frauenhilfe im Rheinland sowie Vorstandsmitglied verschiedener Stiftungen. Fritz trug einen großen Teil zu dem Zustandekommen des Evangelischen Kirchentages 1950 in Essen bei. Darüber hinaus war er Rechtsritter des Johanniter Ordens.

Am 12 Dezember 1957 starb Fritz von Waldthausen und wurde auf dem Essener Friedhof in Bredeney begraben.

 

Literatur