Das Montagsloch

Das Denkmal zu den Vorfällen im Montagsloch befindet sich auf dem Südwestfriedhof.

Wenige Tage vor der Einnahme Essens durch amerikanische Truppen am 11. April 1945 wurden von Angehörigen der Gestapo und der Kriminalpolizei 35 Zwangsarbeiter aus Osteuropa im Montagsloch, nahe der Gruga, erschossen und verscharrt. Der Flurname Montagslochs leitete sich vom ehemaligen hier angesiedelten Montaghof ab.

Der zunehmende Bombenkrieg und der Vormarsch der alliierten Truppen hatten zur Folge, dass zahlreiche Zwangsarbeiter ihre Arbeitsstätten und Unterkünfte verloren. Viele von ihnen irrten durch Städte und Dörfer, oder versteckten sich in Wäldern und Trümmergrundstücken, da sie fürchteten, kurz vor Kriegsende wieder unter menschenunwürdigen Verhältnissen für die Nationalsozialisten arbeiten zu müssen. Sie organisierten sich in bewaffneten Gruppen und sicherten ihren Lebensunterhalt durch Diebstähle. Aus diesem Grunde wurde im Dezember 1944 bei der Essener Gestapo ein Dezernat zur Bekämpfung von Delikten gebildet, die von Zwangsarbeitern begangen worden waren. Das hatte zur Folge, dass Ende Februar 1945 38 Zwangarbeiter aus der Sowjetunion, in völlig überfüllten Essener Polizeigefängnissen saßen. Der Essener Polizeipräsident Henze, forderte den damaligen Kriminalrot Nohles auf, eine Lösung für das Problem zu suchen. Eine Beratung mit der Düsseldorfer Gestapo Leitstelle führte dazu, dass die Polizeileitung Essens die Zwangsarbeiter zu einem Standgericht aburteilen sollte.

Das Montagsloch35 der Zwangarbeiter wurden durch drei Gestapobeamte zum Tode durch Erschießen verurteilt. Zwei wurden freigesprochen und gegen den dritten neue Ermittlungen angeordnet. Die Todeskandidaten, deren Hände mit Fern- sprechkabeln auf dem Rücken zusammengebunden waren, wurden am Tage ihrer Exekution einzeln vor zwei Bombentrichter geführt, wo man sie mit einem Pistolenschuss durch den Nacken tötete und ihre Leichen in die Trichter warf und mit Erde bedeckte.

Ende April 1945 fanden die Alliierten die verscharrten Zwangsarbeiterleichen. Die britischen und amerikanischen Truppen verpflichteten einige der Stadtbewohner und darüber hinaus uniformierte Polen nach Toten in den Bombentrichtern zu suchen. Am Morgen des 30. Aprils 1945 befahlen die amerikanischen Stadtkommandanten Vertreter der Stadt Essen in Deutschlandhaus und brachten sie mit einem Lastwagen in die Nähe der Gruga, wo sie vor den drei Reihen 35 stark verwester Leichen und deren ausgehobener Gräber niederknien mussten: „Nach dem Gebet eines amerikanischen Feldgeistlichen, mussten sie die Ermordeten beerdigen“ (Schmidt, S. 207) .

Die zunächst am Montagsloch verblieben Gräber mit den sterblichen Überresten wurden am 3. November 1949 zum Südwestfriedhof überführt. Hier wurde ein Sammelgrab geschaffen, das heute mit einer Steinplatte versehen ist. Erst 1989 wurde dort eine Tafel aufgestellt, die des Schicksals der hier Beigesetzten gedenkt und gerecht wird. Die Mörder der osteuropäischen Zwangsarbeiter wurden teilweise schon 1948 durch das britische Militärgericht zu Gefängnisstrafen verurteilt. Erst Ende der 1950er Jahre nahm die Essener Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen die übrigen Mitwirkenden der Bluttat des Montagslochs auf.

Im Zuge weiterer Baumaßnahmen für die Bundesgartenschau 1965, fand man auf dem Gelände des Montagslochs zwei Skelette und Gebeinreste von insgesamt acht Menschen, jedoch ohne die dazugehörigen Köpfe. Stattdessen fand man Stoffreste, Sackteile und Drahtreste, die auf einen brutalen und gewaltsamen Tod hindeuten. Die Funde ließen darauf schließen, dass neben den exekutierten russischen Zwangsarbeitern weitere Opfer in dem Waldstück im Margarethental den Tod gefunden haben. Die Bauarbeiten an diesem Ort wurden eingestellt.

Die Bluttat im Montagsloch und die damit in Zusammenhang stehenden Ereignisse und Personen sind inzwischen in Vergessenheit geraten. Dies hat nicht zuletzt etwas mit der Vergangenheitsbewältigung der NS-Zeit zu tun. Wissenschaftliche Ausätze und Publikationen weisen aber darauf hin, dass ein Umschwung erkennbar ist.

 

Literatur

  • Schmidt, Ernst: März 1945: Die Bluttat im Montagsloch. In: Verein für Stadt und Stift Essen (Hg.): Essener Beiträge. Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen. Essen 2000, S. 203-217.