Ostfriedhof

Übersichtsplan Ostfriedhof

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Der Essener Ostfriedhof liegt im Südosten der Stadt und wird von der Saarbrücker Straße im Norden, von der Herwarthstraße im Osten, dem Elisabeth-Krankenhaus im Süden und der Schinkelstraße im Westen umschlossen. Er wurde bereits 1893 angelegt und war zu dieser Zeit mit 8,53 Hektar der größte kommunale Friedhof Essens. Aufgrund der Lage innerhalb eines Wohnviertels konnte der Friedhof nicht erweitert werden und hat heute noch dieselben Ausmaße wie bei seiner Gründung. Er umfasst ca.12.200 Gräber.[1] Im Nordwesten der Anlage befindet sich der Haupteingang mit dem 1910 vom Essener Architekten Edmund Körner gestalteten Portal. Es besteht aus zwei ca. fünf Meter hohen Torpfeilern mit zwei Steinfiguren, die die „Trauer“ und die „Hoffnung“ symbolisieren und ein großes Eisentor umschließen (Abb. 1).[2]

In seiner Erscheinungsform entspricht der Ostfriedhof den alten Stadtfriedhöfen des 19. Jahrhunderts, von denen im Zuge des raschen Bevölkerungsanstiegs zu dieser Zeit viele im Ruhrgebiet entstanden. Das Wegesystem ist geometrisch gestaltet, sodass ein typisches Schachbrettmuster zu erkennen ist. Ein Wegkreuz im Schnittpunkt der zwei Hauptachsen unterteilt den Friedhof in vier große Flächen (Abb. 2). Die eine Hauptachse verläuft vom Haupttor im Nordwesten nach Südosten und die zweite Hauptachse von der Friedhofskapelle im Nordosten nach Südwesten. Der östlich vom Wegkreuz gelegene Friedhofsteil wird von großflächigen Gräberfeldern bestimmt, während der westlich gelegene Teil von Wegen durchzogen ist und die Gräberfelder darin deshalb kleiner ausfallen.[3]

Die heutige im nordöstlichen Teil gelegene Friedhofskapelle mit Leichenhalle wurde 1956/57 nach den Plänen des Essener Architekturbüros Kölsch&Kölsch erbaut, nachdem der alte Gebäudekomplex im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war. Die ursprüngliche Kapelle wurde bereits 1896/97 mit einer daran anschließenden Leichenhalle erbaut. Das stellte in der damaligen Zeit ein Novum dar, da es sich um den ersten Gebäudekomplex dieser Art auf einem Friedhof im Essener Stadtgebiet handelte.[4]

Ebenfalls in den fünfziger Jahren (1954/55) wurden die heutigen Gräberfelder fünf und sechs umgestaltet. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es  hier vor allem Reihengräber, die jedoch durch Bombenangriffe zerstört wurden. Nun fanden an dieser Stelle die Gräber und Grabdenkmäler vom aufgegeben Friedhof Am Kettwiger Tor, der der Bundesstraße 1 weichen musste, ihren Platz.[5]

Dieser Friedhof war bereits 1827 südlich des damaligen Stadtkerns vor dem Kettwiger Tor angelegt worden. Der Friedhof für beide Konfessionen befand sich damals noch außerhalb der Stadt Essen. 1849 wurde er erweitert und 1887, nach dem Tod von Alfred Krupp, durch den Kruppschen Privatfriedhof im Osten ergänzt. Viele bekannte Essener Persönlichkeiten und Familien wurden auf dem Friedhof Am Kettwiger Tor begraben, zum Beispiel Friedrich Grillo, Oberbürgermeister Gustav Hache oder die Familie Baedeker. Kennzeichnend für diesen Friedhof war die parkähnliche Atmosphäre mit vielen Bäumen, Rosen, Sitzgelegenheiten und einem Springbrunnen in der Mitte. Im Laufe der Zeit wurde er von der Stadt Essen umschlossen und musste bereits in den 1920er Jahren verkleinert werden, als der Essener Hauptbahnhof ausgebaut wurde. Als 1955 die Bundesstraße 1 angelegt wurde, musste der Friedhof Am Kettwiger Tor aufgegeben und seine Gräber auf den Ostfriedhof und den Friedhof Bredeney umgelagert werden.[6]

Bei der Neugestaltung der Gräberfelder auf dem Ostfriedhof wurde darauf geachtet, dass die parkähnliche Atmosphäre des alten Friedhofs beibehalten wurde. Gegenüber dem alten Friedhof wurden die Grabdenkmäler jedoch nicht durch Grabeinfriedungen begrenzt oder durch Wege verbunden. Sie stehen locker verteilt auf einer Wiese und wirken wie eine Art Grabmal-Freilichtmuseum (besonders in Feld 5). Der Eingang zu diesem Teil wird dominiert durch eine Steinplatte, auf der ein „Chor der Toten“ eingraviert ist (Abb. 3). Hier stehen unter anderem die Grabmäler der Familien Funke, Lührmann und Baedeker, sowie die der Oberbürgermeister Gustav Hache und Erich Zweigert (Abb. 4).[7]

Doch nicht nur in Gräberfeld fünf und sechs wurden bekannte Essener Persönlichkeiten bestattet. Auch die renommierte Tänzerin Mary Wigman und der Entertainer Diether Krebs wurden auf dem Ostfriedhof begraben (Abb. 5). Da der Friedhof aufgrund seiner Lage nicht erweitert werden kann, finden hier seit den 1950er Jahren vor allem Bestattungen in Familien- oder Gemeinschaftswahlgräbern statt.[8]

 

Adresse und Öffnungszeiten

  • Ostfriedhof Essen
    Saarbrücker Straße 76a
    45138 Essen
  • Friedhofsverwaltung
    Saarbrücker Str. 76
    45138 Essen
  • Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8.00-16.30 Uhr

 

Eingänge

  • Haupteingang (Saarbrücker Straße)
  • Saarbrücker Straße 31
  • Am Betriebshof (Herwarthstraße)
  • Herwarthstraße
  • Ruhrallee (Nähe Elisabeth Krankenhaus)

 

Verkehrsanbindung

  • Haltestelle Elisabeth-Krankenhaus (Linien 154,155 und 156)

 

Fußnoten

[1] Schmidt, Heike: Friedhof und Grabdenkmal im Industriezeitalter am Beispiel Essener Friedhöfe: Geschichte – Gestaltung - Erhaltung. Eine kunsthistorische Untersuchung mit besonderer Berücksichtigung des Steinverfalls, Bochum 1993, S. 42.
[2] Schmidt: Friedhof, S.43.
[3] Schmidt: Friedhof, S.9 und S.42.
[4] Schmidt: Friedhof, S.11und S.43.
[5] Schmidt: Friedhof, S.44.
[6] Böhmer, Hermann: Ein Gang über den alten Friedhof am Kettwiger Tor, in Essener Beiträge Band 49 (1931), S.439-453S. 439-453.
[7] Schmidt: Friedhöfe, S.44.
[8] Schmidt: Friedhöfe, S.44.

Literatur

  • Schmidt, Heike: Friedhof und Grabdenkmal im Industriezeitalter am Beispiel Essener Friedhöfe: Geschichte – Gestaltung - Erhaltung. Eine kunsthistorische Untersuchung mit besonderer Berücksichtigung des Steinverfalls, Bochum 1993
  • Böhmer, Hermann: Ein Gang über den alten Friedhof am Kettwiger Tor, in Essener Beiträge Band 49 (1931), S.439-453

Links