Südwest-Friedhof

Übersichtsplan Südwest-Friedhof

Klicken Sie hier, um den Plan als PDF-Datei zu erhalten.

Die Historie

Die Planungsarbeiten

1910 begannen die Planungsarbeiten rund um den kommunalen Südwestfriedhof in Essen. Es war der damalige Essener Beigeordnete Dr. Robert Schmidt, der die Planungen leitete und vornehmlich deren Umsetzung forderte. Ein Grund für die Friedhofsplanung und -umsetzung war Tatsache, dass sich die Bevölkerungszahl Essens in einem stetigen Wachstum befand. Hinzu kam die Tatsache, dass die vorhandenen Friedhöfe zu klein und zu kostspielig waren. Man beschloss deshalb, kleine Friedhöfe zu großen Friedhofsanlagen zusammenzufügen, wie den Südwestfriedhof.

Bei der Planung wurde darauf geachtet, dass der Friedhof „nahezu so gro[ß] werden [sollte], wie alle vorhandenen Friedhöfe der Stadt zusammen.“[1] Außerdem sollte er so zentriert werden, „daß ihn die wachsende Stadt nicht einschließen kann.“[2]

Die ländliche Lage

Aus diesem Grunde erwarb die Stadt Essen 1910 die 28 Hektar großen Ländereien des damaligen Oberscheidthofes in Fulerum. Trotz seiner an sich sehr ländlichen Lage – nahe Fulerum und Haarzopf-, wurde gewährleistet, dass der Südwestfriedhof mittels mehrer Hauptverbindungsstraßen nicht an Zentralität einbüßen musste.

Der Südwestfreidhof als Park- und Waldfriedhof

Das Friedhofsgelände selbst ist so angelegt, dass die Gebäude und Wegeanlagen die Orientierung erleichtern, ohne dem Südwestfriedhof seine Individualität zu nehmen. Desweiteren ist von Bedeutung, dass zahlreiche Anlagenflächen geschaffen wurden, die „Naturstimmung geben, den Besucher vom Alltagsleben loslösen und die Würde des Ortes erzeugen.“[3] Der Südwestfriedhof verfolgt folglich zweierlei Ansprüche: die zweckmäßige Nutzung eines Friedhofes im Allgemeinen und die gleichzeitige Ausrichtung des Geländes als Park, beziehungsweise Naherholungsgebiet. Nicht umsonst wird der Südwestfriedhof als Park- und Waldfriedhof bezeichnet.

1914 begann man mit der ersten Belegung der Grabflächen. 1925 und 1926 wurden schließlich die ersten Friedhofsgebäude geschaffen. So fand das Verwaltungsgebäude seinen Platz auf dem Gelände, aber auch das Pförtnerhaus, sowie die Einsegnungshalle und die Gebäude für die Verkaufs- und Blumengeschäfte.

Die drei Gebiete des Südwestfriedhofs

Der Südwestfriedhof setzt sich aus mehreren Teilen, beziehungsweise Gebieten zusammen. Der Westteil wurde „im Stile barocker Gartenanlagen gestaltet.“[4], wohingegen die Anlage gen Osten hin parkähnlichen Charakter hat und das südliche Gebiet des Friedhofes – zumindest seit dem Ende des Ersten Weltkrieges – die Funktion eines „Ehrenfriedhofs“ für die Gefallenen des Krieges besitzt.

Denk- und Ehrenmäler

Im Laufe der vergangenen Jahre hat sich die Anlage des Südwestfriedhofes stark vergrößert. Nach dem derzeitigen Stand ist er zirka 37 Hektar groß und bietet Platz für 32.942 Gräber. Einen großen Anteil an Grabflächen machen die der insgesamt 2.717 Kriegsgräber aus. Auf dem Südwestfriedhof lassen sich zahlreiche Ehrenmäler finden: das Gräberfeld der Bombenopfer des Zweiten Weltkrieges oder die „Gedenkstätte der Stadt Essen für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“. Daneben stehen die Stätten, die der KZ-Opfern gedenken, aber auch die für die Toten vom „Montagsloch“ oder des Kapp-Lüttwitz-Putsches von 1920. Das „Polizei-Ehrenmal“ darf selbstverständlich nicht unerwähnt blieben.

„Prominente Tote“

Neben den erwähnten Denk- und Ehrenmälern bot der Südwestfriedhof zahlreichen bekannten Essener Persönlichkeiten die letzte Ruhestätte. So lassen sich die Gräber vom ehemaligen Essener Oberbürgermeister Wilhelm Holle finden, aber auch vom Architekten Georg Metzendorf, beziehungsweise vom Industriepionier Franz Dinnendahl.

Die Architektur

Hauptgebäude

Am Haupteingang liegt der Backsteinbau der Einsegnungshalle, der in den Jahren 1927–29 nach Plänen des Essener Architekten und Leiters des städtischen Hochbauamtes, Ernst Bode, errichtet wurde. Der gesamte Komplex wurde 1991 unter Denkmalschutz gestellt. Die bereits 1926 fertiggestellten Portalbauten an der Fulerumer Straße sind durch einen Wandelgang mit parabelförmigen Arkaden mit der Halle verbunden. Sechs Bögen öffnen sich als Aussichtspunkt zur Talseite. Der Gang setzte sich ursprünglich auch an der Ostseite fort, so dass ein an drei Seiten geschlossener, weitläufiger Ehrenhof entstand, der sich nach Süden zum eigentlichen Friedhof öffnete. Dieser Ehrenhof war für große Trauerfeierlichkeiten bestimmt.[5]

Die Einsegnungs- oder Trauerhalle schneidet mit ihren Pfeilervorsätzen als Vertikale in die ansonsten flachen Bauten ein, an deren Talseite ein umlaufendes Fensterband die Horizontale betont. Der um einen Innenhof gruppierte zweigeschossige Verwaltungstrakt mit den Leichenzellen und dem Zugang zum Krematorium, bleibt hinter den Monumentalbauten verborgen und entfaltet sich erst zur Talseite als klosterartiger Komplex. Ursprünglich waren diesem Gebäudeteil umfangreiche Terrassenanlagen vorgelagert. Im Inneren ist die von Ernst Bode entworfene Einrichtung originalgetreu erhalten. Das Krematorium steht heute unter Denkmalschutz, ist jedoch nicht mehr in Betrieb.[6]

Innengestaltung und Skulpturen

Die künstlerische Ausgestaltung der Neubauten übernahm der auf der Margarethenhöhe lebende Bildhauer Will Lammert (1892 – 1957). Die von ihm gestalteten Portaltüren, die sechzehn Apostel auf den beiden Pylonen und die gewaltige Skulptur Mutter Erde fielen während der NS-Diktatur unter das Stigma „entartete Kunst“ und wurden zerstört. Einzig der etwa zwölf Meter hohe Segnende Christus ist bis heute erhalten geblieben, da er mit dem Gebäude fest verankert ist und aus statischen Gründen nicht entfernt werden konnte. Er wurde während der NS-Zeit mit einer Hakenkreuzfahne zugehängt.[7]

Als städtische Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewalt dient heute die von Joseph Enseling (1886 – 1957) gestaltete Figur Trauer. Joseph Enseling war ein bedeutender Bildhauer des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Er studierte bei Wilhelm Kreis und Peter Behrens an der Düsseldorfer Kunstakademie, sowie bei Aristide Maillol in Paris. Er gestaltete auch die Fassade des 1926–28 errichteten Baedekerhauses und schuf 1929 mehrere Skulpturen für die Gruga.[8]

Fußnoten

[1] Schmidt, Robert: Der neue Südwest-Friedhof der Stadt Essen, Essen 1914, S. 2-3.
[2] Ebd., S. 4.
[3] Ebd., S. 11.
[4] Welzel, Robert: Der Fulerumer Südwestfriedhof als Bau- und Gartenkunstwerk. Führung von Robert Welzel im Herbst 2012.
[5] Robert Welzel, Südwestfriedhof, in: Essen Information, Ausgabe 88-92, Essen 1993.
[6] Ebenda.
[7] Ebenda.
[8] Ebenda.

Allgemeine Daten

Friedhofsverwaltung
Fulerumer Str. 15 b
45149 Essen

Kontakt
Herr Melsa, Herr Velten

Tel.: 0201 - 717397 oder 0201 - 716297 
Fax: 0201 - 8718327 
Bei Abwesenheit der Mitarbeiter ist ein Anrufbeantworter eingeschaltet!

Öffnungszeiten

montags bis freitags 8.00-16.30 Uhr

Verkehrsverbindung

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln:

Von Essen Hbf mit der U18 (Richtung Mühlheim) bis zur Haltestelle Wickenburgstraße. Von dort weiter mit der Bus-Linie 147 bis zu den Haltestellen Südwestfriedhof-Haupteingang bzw. Südeingang.

Mit dem Auto:

Von der A40: Abfahrt Essen-Frohnhausen auf die Wickenburgstraße (nach 500 m in die Fulerumerstr. übergehend), in rund 800 m ist auf der linken Seite der Haupteingang des Friedhofs zu erkennen.

Von der A52: Abfahrt Essen-Haarzopf auf die Hatzper Straße, nach 1,2 km rechts in die Humboldstraße, nach rund 850 m halbrechts in die Fulerumer Straße, nach rund 1 km erreichen Sie den Haupteingang.

Friedhofsdaten

Es stehen folgende Grabarten zur Verfügung:

  • Kinderreihengräber
  • Reihengräber
  • Anonymes Erdbestattungsreihengrab
  • Wahlgräber in bevorzugter Lage
  • Waldgräber
  • Wahlgräber in allgemeiner Lage
  • Urnenreihengräber
  • Anonyme Urnenreihengräber
  • Urnenwahlgräber in allgemeiner Lage
  • Urnenwaldgräber
  • Urnensondergräber in allg. Lage (ehem. Erdbestattungsgräber)
  • Urnenwiesendoppelgräber in allg. Lage
  • Grabfeld für Tot- und Fehlgeburten
  • Urnenwiesengräber in allgemeiner Lage
  • Wiesenreihengräber (Erdbestattungsgrab)
  • Naturnahe Urnenbaumgräber

Literatur

  • Schmidt Robert: Der neue Südwestfriedhof der Stadt Essen, Essen 1914
  • Bode, Ernst: Neue Bauten der Stadt Essen, Düsseldorf 1927
  • Neue Essener Friedhofsgebäude. In: Essener Anzeiger vom 20.08.1927
  • Einweihung der Essener Südwestfriedhof-Gebäud. In: Essener Anzeiger vom 30.11.1929
  • Südwestfriedhof. In: Deutsche Bauzeitung vom 22.02.1930
  • Zum Gauehrenmal. In: Essener Volkszeitung vom 20., 21. und 22.04.1939
  • Zum Gauehrenmal. In: Essener Anzeiger vom 16., 17. und 18.06.1939
  • Feist, Peter H. / Lammert, Marlies: Will Lammert, Dresden 1963
  • Schmidt, Ernst: Verwischte Spuren. Erinnerungen an den Bildhauer Will Lammert. In: Lichter in der Finsternis. Widerstand und Verfolgung in Essen 1933–1945, Frankfurt/Main 1979, S. 158-165
  • Welzel, Robert: Südwestfriedhof. In: Essen Information, Ausgabe 88-92, Essen 1993
  • Schmidt, Ernst/Zimmermann, Michael: Südwestfriedhof. In: Essen erinnert. Orte der Stadtgeschichte im 20. Jahrhundert, Essen 2002, S. 107-116
  • Robert, Welzel, Der Fulerumer Südwestfriedhof als Bau- und Gartenkunstwerk. Führung im Herbst 2012
  • Vom Südwestfriedhof. Die Erschließung von Fulerum und Haarzopf. In: Essener Anzeiger vom 26.04.1928
  • Bürgerverein Haarzopf-Fulerum. Beitrag zum Südwestfriedhof. Unter: http://proma-sport.de/suedwestfriedhof%201.htm [27.03.2012]
  • http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_67/Krematorium/friedhoefe/friedhoefe_detailseite_essen_de_169243.html [27.03.2012]