Die Kriegsgräber

Eine Darstellung der Kriegsgräber auf dem Essener Südwestfriedhof macht es erforderlich, mehrere Gräberfelder und Gedenksteine in den Blick zu nehmen. Zum einen das Gräberfeld der Bombenopfer des Zweiten Weltkrieges und zum anderen das Massengrab von 84 Bombenopfern, die ebenfalls im Zweiten Weltkrieg ihren Tod fanden. Dazu kommt das Gräberfeld, das letzte Ruhestätte für 721 Kriegstote des Ersten und 2.143 Kriegstoten des Zweiten Weltkrieges ist.

Das Gräberfeld der Bombenopfer des Zweiten Weltkrieges

Gräberfeld der BombentotenInsgesamt 1.811 Bombenopfer des Zweiten Weltkrieges haben auf dem Essener Südwestfriedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden – darunter 1.286 Zivilisten und 525 Soldaten deutscher Abstammung. Der Großteil der hier Beerdigten hat bei den Bombenangriffen alliierter Luftstreitkräfte auf den Essener Stadtraum ihr Leben verloren.

Das Gräberfeld, das mit kleinen Steinkreuzen versehen ist, wartet darüber hinaus mit einem Gedenkstein auf. Letzteren findet man, indem man vom Eingang an der Straße Am Ehrenfriedhof geradeaus geht und nach zirka 100 Metern rechts abbiegt inmitten der zuvor beschriebenen Kriegsgräber. Der Gedenkstein ist mit der Inschrift „Liebt Eure Heimat, mahnen die Toten“ versehen. Es ist davon auszugehen, dass jene Inschrift voller Pathos und Aufruf zur Heimatliebe aus der NS-Zeit stammt.

Das Massengrab der 84 Bombenopfer vom 12. Dezember 1944

Folgt man dem zuvor beschriebenen Gräberfeld, dem für die Bombenopfer des Zweiten Weltkrieges – Soldaten und Zivilisten -, so gelangt man zu einem weiteren Gräberfeld, einem Massengrab, das als die letzte Ruhestätte von 84 Bombenopfern zu gelten hat.

Die in diesem Massengrab beigesetzten Menschen waren (politische) Häftlinge der Essener Gefängnisses in der Krawehlstraße.Massengrab mit Kreuz Der Großteil der Inhaftierten hatte sich abschätzig über den Nationalsozialismus und dessen Träger geäußert, wurde von Regimetreuen denunziert, oder hatte Regimegegnern, wie beispielsweise französischen Kriegsgefangenen, Hilfe zu Teil werden lassen. Jene Gefangenen fanden am 12. Dezember 1944 gegen 19 Uhr ihren Tod, als alliierte Luftstreitkräfte den Essener Stadtraum bombardierten – 57 Luftminen, 4.000 Sprengbomben, 60.000 Stabbrandbomben und 5.000 Phosphorbomben gingen an diesem Abend auf die Stadt nieder und forderten insgesamt 463 Tote, 156 Verwundete und 40 Verwundete. Unter diesen Opfern befanden sich auch 84  politisch Inhaftierte der Essener Krawehlstraße. Letztere waren den Bomben schutzlos ausgeliefert, da sie nicht sich nicht in Sicherheit bringen konnten, als die Luftschutzsirenen die Luftangriffe ankündigten.

Eben jenen Bombenopfern, die in dem Massengrab auf dem Essener Südwestfriedhof beigesetzt wurden, wird mit einem Gedenkstein gedacht, einem großen Steinkreuz, das sich inmitten des Gräberfeldes befindet und folgende Inschrift trägt: „Zum Gedenken an die 84 Männer und Frauen, die als Opfer des Bombenkrieges starben.“ Das Massengrab ist desweiteren mit einer entsprechenden Anzahl kleinen Steinkreuzen versehen.

Kriegsgräberfelder für Kriegstote des Ersten und Zweiten Weltkrieges

In unmittelbarer Nähe des zuvor beschriebenen Massengrabs der 84 Bombenopfer vom 12. Dezember 1944, gelegen an einer Treppe innerhalb des Geländes des Südwestfriedhofes befindet sich ein Kriegsgräberfeld, das 721 Kriegstote des Ersten und 2.143 Kriegstote des Zweiten Weltkrieges beherbergt.Städtische Gedenkstätte der Stadt Essen für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft Inmitten dieser Kriegsgräberfelder befindet sich ein Denkmal, das folgende Inschrift trägt: „Gedenkstätte der Stadt Essen für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.“ Nur einige Meter entfernt hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eine 100 x 70 Zentimeter große Tafel aufgestellt, die über die Zahl der Essener Opfer von Krieg und Gewalt informiert und desweiteren kenntlich macht, wo diese auf dem Essener Südwestfriedhof beerdigt wurden.

All Toten, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg zu Tode kamen und die auf dem Essener Südwestfriedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, wird jedes Jahr an den Volkstrauertagen gedacht – durch die Stadt Essen, durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und durch weitere Personen und Interessierte, wie beispielsweise Angehörige der Verstorbenen. Man kommt nicht umhin zu sagen, dass der Essener Südwestfriedhof ein Stück der Essener Erinnerungskultur darstellt – auch wenn diese einen der wohl dunkelsten Teile der Essener Geschichte beinhaltet.

Literatur

  • Schmidt, Ernst/ Zimmermann, Michael: Essen erinnert. Orte der Stadtgeschichte im 20. Jahrhundert, Essen 2002, S. 107-110.

Abbildungen

  • Gräberfeld der Bombentoten (S. 107), Massengrab mit Kreuz (S. 108), Städtische Gedenkstätte der Stadt Essen für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft (S. 110). Aus: Schmidt, Essen erinnert, Essen 2002.